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Umschlaggestaltung: Silvia Wahrstätter, vielseitig.co.at Gesetzt aus der 11,5 auf 14,5 pt Goudy Oldstyle Vorwort von Armin Wolf 9
Zu diesem Buch 11
Geht’s? 13
Die hose fällt – und alle Fragen offen 15
Aufsteigende Grausbirnen 18
the power of tacheles 20
Sie lachen, wir zahlen 23
hase statt hace 25
Der Provokateur 28
Der erste Schritt zur Besserung 30
häupl heute, die Krone Österreichs 33
Can’t buy me love 35
Auf dem highway ist die hölle los 37
Unwirkliches Österreich 40
Geben Sie Politikfreiheit! 42
Gorillas im Nebel 45
Willkommen im freien markt 47
Das Recht ist ein Vogerl 50
Grüne Automatik 52
Ignorierte Sensationen 55
Sektion 8 oder mitten im Achten 57
Der Selbstzweck heiligt die mittelmäßigen 60
Rat der Gesetzlosen 62
Chefsache ORF-Rettung 65
Wollt ihr den totalen Onkel? 67
Alle gegen einen, einer gegen sich 70
Kleiner trost für Zwangssponsoren 72
Von Flugzeugen und mopeds 75
Schutzherr der Gestrauchelten 77
U-Comix mit X-Factor 79
Verhörte und Unerhörte 81
Ins Grab gespuckt 84
hier könnte Ihre Werbung stehen 86
Weil es auch anders geht 89
Der Frank als Wille zur Vorstellung 91
Westi, Slime und Paiper 93
Abschiebung über die Schamgrenze 96
Prinz Prefab und der Schatz der blauen lagune 98
Fast drauf reingefallen 101
Sehr geehrte Frau maria Rauch-Kallat! 104
Klug ist anders 107
Playback für die Stimme des Volkes 109
Vampiralarm 112
Schläfer unter Schläfern 114
Doofe Ösi-Kohle 117
Das Gutachter-Gutachten 119
Klartext im Getümpel 121
Sonntags im Anarcho-Stadl 124
Fly Niki 127
Aufstand der Kreatur 129
Der Vergleich macht sie unsicher 132
Spaß und Verderben 134
Wahlloses Unglück 137
Wir Dummbürger 139
Stell dir vor, es ist Wahlkampf … 141
Als ich Berater des ministers war 144
Auf den Schultern von Giganten 147
Am Gipfel der Frechheit leuchtet die Wahrheit 149
Vorsicht, Kunst! 151
Interview mit Jörg Haider, 24. September 2008 154
Interview mit Wolfgang Schüssel, 30. September 2009 159
Personenregister 173
Vorwort von Armin Wolf
Weil in diesem land ja neuerdings Wahrheit, trans-parenz und Fairness in mode sind, zu Beginn die totale Offenlegung: Ich kenne Florian Scheuba. Ich schätze Flo-rian Scheuba. Florian Scheuba ist ein Freund. Also: Das wird eher freundlich.
Offenlegung 2: es wäre genauso freundlich, würde ich ihn nicht persönlich kennen, sondern nur seine Arbeit.
Offenlegung 3: Versuche nicht neben Rudolf Buch- binder Klavier zu spielen, und versuche nicht, witziger zu sein als der Scheuba. Also: Das wird hier nicht witzig. Für’s Witzige ist der Scheuba zuständig.
Und das ist sein Problem.
Wäre Florian Scheuba nicht so witzig, würde er näm- lich längst als einer der führenden politischen Kommen-tatoren dieses landes gelten. Aber witzig ist halt doch ein bisschen verdächtig. Die lage ist ernst, also müssen Kom-mentare bedeutungsschwanger sein. Und wenn die lage nicht ernst ist, sondern eher absurd – wie das meiste an der heimischen Politik –, muss der Kommentator umso besorgter sein. Florian Scheuba wird also keinen Jour-nalisten-Preis als politischer Kommentator bekommen. Schade. Und falsch.
es soll ja menschen geben, die Scheuba für einen Kabarettisten halten. Aber auch das ist falsch. er kommt aus dem Kabarett und ist auch auf Kabarettbühnen zu sehen – und er ist dort sensationell, als Schauspieler und als Parodist. Aber das ist nicht das, was ihn ausmacht. Wahr ist vielmehr: Florian Scheuba ist der vielleicht wichtigste politische Satiriker in diesem land.
Als Die 4 da (Scheuba, henning, maurer und Stein- hauer) zwei Staffeln lang den politisch-medialen Kom-plex zwischen Raiffeisen, Kärnten, ORF, Kronen Zeitung, Korruption und dem landeshauptmann von mittel-österreich zur Kenntlichkeit entstellten und dafür eine »Romy« bekamen, durfte ich die laudatio halten (Offen-legung 4: Scheuba hat auch mal eine laudatio auf mich gehalten. Quasi ein Gegengeschäft). Ich nannte die Satire sendung damals »die beste politische Informations-sendung des ORF«. Und genau das war sie. Sie war – wie später Wir Staatskünstler oder die Grasser-Meischberger-Protokolle im Audimax – zum Schreien komisch, böse, extrem aufschlussreich und vor allem: so wahr. Politische Information im allerbesten Sinne.
So ist das mit praktisch allem, was Scheuba macht – sehr oft in Koproduktion mit den kongenialen üblichen Verdächtigen (siehe oben plus Palfrader plus der Unter-stützung praktisch aller relevanten enthüllungsjournalis-ten im land).
Ganz allein schreibt er allerdings seine politischen Kommentare im Standard. es ist eine der ganz, ganz weni-gen politischen Kolumnen in österreichischen medien, von denen ich nie eine Folge versäume. Insofern bin ich nicht die Zielgruppe für dieses Buch. Ich kenne es schon. Aber ich kann es empfehlen. (Offenlegung 5: Das ist kein Gegengeschäft. Scheuba hat noch nie ein Buch von mir empfohlen.) Um hier zu einem ende zu kommen: Florian Scheuba trägt seit 25 Jahren eine zweifelhafte Frisur. Aber das stört bei seinen Kolumnen nicht. Die sind fabelhaft. lesen Sie sie. Sie dürfen dabei auch lachen.
Zu diesem Buch
»So kann es nicht weitergehen!« »Völliger Neustart!« »Denkzettel!« »Warnschuss!« »Abrechnung!« »Weckruf!« »es muss anders werden!« Die Reaktionen der Parteien auf das ergebnis der Nationalratswahl 2013 ähneln einander in erstaunlich hohem Ausmaß. Die rot-schwarzen Verlierer geben sich zerknirscht (mit Ausnahme von Josef Cap und Karlheinz Kopf, aber da handelt es sich um wirklich hoffnungslose Fälle), doch auch die vermeintlichen Sieger sollten sich in Bescheidenheit üben. Das gilt für die wieder einmal unter ihren erwartungen gebliebenen Grünen ebenso wie für eine FPÖ, die vor einem Jahr noch ein Duell um Platz eins zwischen Strache und Faymann prophezeit hat. einzig die NeOS dürfen jubeln, sollten dabei aber nicht außer Acht lassen, dass sie von einem politischen Vorle-ben unbelastet von den meisten ihrer Wähler in einem Akt gelebter Unschuldsvermutung einfach auf Verdacht gewählt wurden.
Wenn es also »anders werden muss«, sollte man sich zunächst einmal die Frage stellen, wie es ist. Damit beschäftigt sich dieses Buch. es enthält eine Auswahl meiner zwischen Februar 2011 und September 2013 in der österreichischen tageszeitung Der Standard erschienenen Kolumnen, ergänzt durch drei Kommen-tare aus dem Wiener Gemeinderatswahlkampf 2010 und einer Zugabe in Form von zwei Interviews, die ich mit Jörg haider und Wolfgang Schüssel führen konnte. Ich habe auf eine chronologische Reihung verzich- tet, um thematische Querverbindungen zeitübergreifend darzustellen und Weiterentwicklungen in neu verfassten Zwischenkommentaren aufzeigen zu können. Dadurch soll es möglich sein, die einzelnen texte als in sich geschlossenes Panoramabild österreichischer Reali täten zu betrachten.
Danke an Oscar und Andrea Bronner, Alexandra Föderl-Schmid, michael Völker und Gertraud Schnei-der, sowie an die leserinnen und leser meiner Kolumne, deren Feedback mir immer wieder große Freude bereitet und motivation für dieses Buch war.
Geht’s?
ein uralter Kellner-Witz geht so: Der Gast kontrolliert die Rechnung und will wissen, was der unter den einträgen für Suppe, Schnitzel und Spritzer angeführte Rechnungs-posten: »Geht’s? – 10 euro« bedeuten soll. Daraufhin nimmt der Ober die Rechnung wieder an sich, streicht die zehn euro durch und kommentiert dies lapidar mit: »Na, dann geht’s halt nicht.« Nach dem exakt gleichen Prinzip hat die offizielle Anrechnung der eurofighter-Gegengeschäfte funktio-niert. Der einzige Unterschied: Auf ein reales Gegenge-schäft kamen zirka zehn »Geht’s?«-Posten. Die Rolle des Oberkellners hat dabei martin Barten- stein übernommen, der angesichts der tatsache, dass nun im ganzen Wirtshaus das große Nachrechnen beginnt, sein hangerl geworfen hat und sich aus der Politik zurück-zieht.
An verrechnungstechnischer Kreativität haben er und seine helfer im Wirtschaftsministerium den geistesver-wandten Kollegen aus dem Witz jedoch weit übertrof-fen. Nahezu täglich werden neue Details bekannt, die auf einen erfindergeist von überwältigender Kühnheit schließen lassen. Auf die Idee, die Übernahme eines österreichischen modehauses durch einen italienischen mitbewerber mit dem Wert des dreifachen Jahresumsat-zes des Käufers als Gegengeschäft anzuerkennen, könnte ja noch ein zu hemmungsloser extravaganz bereiter Bilanzen-Friseur kommen. Aber dass eine zweistündige Gastvorlesung an der tU Graz, die 4800 euro gekostet hat, durch die hinzurechnung »volkswirtschaftlicher Wertschöpfungseffekte« schließlich 1.118.298 euro und 33 Cent wert war, muss man sich erst einmal ausdenken. Und dann noch den mut haben, das auch hinzuschrei-ben – Respekt! Im Interview mit derStandard.at meint Bartenstein zur aufgrund von massivem Korruptionsverdacht im Raum stehenden Rückabwicklung des eurofighter-Deals: »logi-scherweise wären auch Gegengeschäfte rückabzuwickeln. Wie das zu machen ist, muss man mir erst erklären.« Dem mann kann geholfen werden. etwa anhand des Beispiels einer von mtU Aero engines ausrangier-ten Fräsmaschine, die in deren Buchhaltung mit einem Gegenwert von einem euro aufschien. Dieses Alteisen wurde nicht auf dem müllplatz entsorgt, sondern dem österreichischen Bundesheer geschenkt. Das Wirtschafts-ministerium hat diesen Vorgang als Gegengeschäft im Wert von 810.000 euro verbucht, bei dem unter ande-rem die tatsache, dass eine Gebrauchsanleitung mitge-liefert wurde, als »Know-how-Gewinn« im Wert von 60.000 euro definiert wurde. eine Rückabwicklung dieses Gegengeschäfts könnte nun so ausschauen: 1. Anruf bei mtU Aero engines: »Wenn ihr die ma - schine lieber selber weghauen wollt, lasst es uns wis-sen, dann schicken wir sie euch zurück.« 2. Anruf im Wirtschaftsministerium zum Zweck einer Grundsatzdiskussion über die Grenzen von Chuzpe.
es geht also in Wirklichkeit ganz leicht, man muss sich nur an das Vorbild aus dem Kellner-Witz halten. Dessen Geständnis »Na, dann geht’s halt nicht« ist ein muster-beispiel für eine gelungene Rückabwicklung. Dass es dar-über hinaus auch einen gewissen Charme verstrahlt, der vermutlich den Gast davon abhält, nach dem Geschäfts-führer oder der Polizei zu rufen, sollte auch martin Bar-tenstein zu denken geben.
Bei Redaktionsschluss dieses Buches warten wir immer noch auf den ersten Eurofighter-Schmiergeldprozess. Die Repub-lik Österreich verhält sich also nach wie vor wie ein Gast, der dem Ober mit dem »Geht’s?«-Trick ohne mit der Wimper zu zucken die manipulierte Rechnungssumme einfach bezahlt. Da stellt sich die Frage: Warum? Wovor fürchtet man sich? Vielleicht davor … Die hose fällt –
und alle Fragen offen
es gibt Bilder, die eine gewisse Reifezeit brauchen, damit sie der Betrachter in ihrer ganzen Bedeutungsfülle ver-stehen kann. ein Beispiel dafür erleben wir dieser tage anhand eines Fotos des Waffenlobbyisten erhard Stei-ninger. Auf dieser Aufnahme aus dem Jahr 2007 hat er der Kamera den Rücken zugekehrt und reckt ihr mit her-untergelassener hose sein blankes hinterteil entgegen.
Zuvor hatte der vom eurofighter-hersteller eADS engagierte Steininger sein Schweigen zu den gegen ihn und seinen Auftraggeber erhobenen Schmiergeldvor-würfen damit begründet, dass es »unangenehme Folgen hätte«, wenn er die ihm »auferlegte Vertraulichkeit« bräche, und verwies in diesem Zusammenhang auf die Schicksale des ehemaligen Voest-Generaldirektors heri-bert Apfalter und des ehemaligen Verteidigungsministers Karl lütgendorf, mit der Schlussfolgerung: »Ich bin daher bestrebt, alles zu vermeiden, um nicht den gleichen Weg dieser herren zu gehen.« Wie sah dieser Weg aus? Die beiden Genannten waren in illegale Waffengeschäfte verwickelt und sind unter ungewöhnlichen Umständen zu tode gekommen. Apfalter starb unmittelbar vor seiner Verhaftung an einem plötzli-chen herztod, lütgendorf beging Selbstmord, bei dem es ihm nicht nur gelang, sich durch geschlossene Zähne in den mund zu schießen, sondern dabei auch noch auf der tatwaffe keine Fingerabdrücke zu hinterlassen.
Wie hat Steininger das gemeint? Was weiß er über die Fälle Apfalter und lütgendorf? Worin sieht er die Paral-lelen zu seiner Situation? Alles Fragen, deren Klärung Aufgabe der österreichi- schen Justiz sein muss. ebenso wie jene nach den leis-tungen der von Steininger für eADS beauftragten Wer-beagentur des ehepaares Rumpold. Diese verrechnete unter anderem 120.000 euro für die Vermittlung von »landeshauptmann-Gesprächen«. laut Aussagen der landeshauptleute haben diese Gespräche nie stattge-funden. ebenso wenig wie eine »Podiumsdiskussion mit Sicherheitsexperten«, für die unfassbare 320.000 euro in Rechnung gestellt wurden.
Warum hat eADS trotzdem bezahlt? Können Sie sich vorstellen, für eine luxusreise zu zahlen, die Sie deshalb nie antreten konnten, weil das gebuchte Urlaubsziel gar nicht existiert? Oder im Restaurant für ein menü, das Sie nicht nur nicht gegessen haben, sondern das nicht ein-mal gekocht wurde? Warum hat eADS nicht das Geld zurückverlangt? Zur Beantwortung dieser Fragen hat sich die österrei- chische Staatsanwaltschaft an das eingangs beschriebene Foto erinnert und ist nun selbst in die Rolle des darauf abgebildeten Waffenlobbyisten geschlüpft, indem sie die eurofighter-ermittlungen gegen Rumpold ohne Konten-öffnungen einstellt. Anders als bei Steininger ist die Bot-schaft nicht nur an einen vor seinem haus wartenden Fotografen gerichtet, sondern an alle Steuerzahler, die wissen wollen, wen sie beim Abfangjäger-Ankauf wirk-lich finanziert haben.
Die Redewendung »Die hosen runterlassen« bedeutet laut Duden »etwas bisher Verschwiegenes preisgeben«, während im englischen »Caught with his pants down« auch für »Auf frischer tat ertappt« verwendet wird.
Welche dieser Interpretationen auf die entblößte Kehr- seite unserer Justiz zutrifft? Schon wieder eine Frage, die noch auf Antwort wartet. Mittlerweile hat der ehemalige Richter des Obersten Gerichts-hofes Robert Jerabek in seiner Funktion als Rechtsschutzbe-auftragter des Justizministeriums festgestellt, dass in der Causa Rumpold–Eurofighter eine »unerträgliche Fehlent-scheidung bei der Würdigung der im Ermittlungsverfahren gewonnenen Beweismittel« und eine »nicht ausreichende Klärung des Sachverhaltes« vorliegen.
Vielleicht ändert sich ja Rumpolds Verantwortung noch. In der Zwischenzeit wurde er nämlich im einem der zahlrei-chen Telekom-Prozesse noch nicht rechtskräftig zu drei Jah-ren Haft verurteilt. Ein mutiges Urteil, das man vor ein paar Jahren noch nicht für möglich gehalten hätte. Doch dann ist ausgerechnet in Kärnten ein Umdenken in der Justiz passiert. Und das war die Ausgangssituation … Aufsteigende Grausbirnen
Sollten Sie den Wunsch verspüren, die jüngsten enthül-lungen aus der Kärntner landespolitik nachvollziehen zu können, dann stellen Sie sich folgende Situation vor: Sie haben soeben mit der Bitte, Ihnen vom Fleischhauer ums eck eine Wurstsemmel zu besorgen, einem Kollegen Ihre Brieftasche in die hand gedrückt. Nach einem Blick in selbige meint der Kollege, dass deren Inhalt kaum rei-chen wird, da eine Wurstsemmel 120 euro koste, was im Übrigen eine »Okkasion« und eine »wirkliche ersparnis« für Sie sei. Kurz darauf kommt er strahlend lächelnd zurück und erklärt, dass es ihm gelungen sei, beim Fleischhauer einen »Patriotenrabatt« auszuverhandeln, und er deshalb nur 60 euro bezahlen musste. Ihre Frage, wann denn nun die Pointe dieses vermeintlichen Scherzes komme, beantwor-tet er mit der Vorlage verschiedener von Universitätspro- fessoren und Wirtschaftsprüfern erstellter Gutachten, in denen 60 euro als angemessener Preis für eine Wurstsem-mel bezeichnet werden. Dazu überreicht er Ihnen Ihre leere Brieftasche. Sie rasen zum Fleischer ums eck, der die Geschichte bestätigt und Ihren an ihn gerichteten Vorwurf, mit dem Kollegen unter einer Decke zu stecken, brüsk zurückweist, was gleichermaßen eine Beleidigung Ihrer Intelligenz sowie der Ihres Kollegen darstellt.
In Kärnten heißt der Fleischhauer Dietrich »Birni« Birnbacher, Ihr Kollege ist eine Personalunion aus Jörg haider, ÖVP-Obmann Josef martinz und den FPK-Poli-tikern harald Dobernig und Uwe Scheuch – und Sie sind der österreichische Steuerzahler, in dessen Börsel leider nicht nur 60 euro, sondern sechs millionen euro fehlen. Und noch einen Unterschied gibt es: In Kärnten haben Sie nicht einmal die Wurstsemmel bekommen. Das erste unabhängige Gutachten eines deutschen Prüfers stellt nämlich bezüglich der sechs millionen euro teuren Akti-vitäten Birnbachers beim Verkauf der Kärntner hypo ausdrücklich fest: »Anhaltspunkte dafür, dass überhaupt leistungen erbracht wurden, sind den Akten nicht zu entnehmen.« Dass sich angesichts dieser tatsachen Josef martinz in der Vorwoche mit Unterstützung der FPK als Aufsichts-ratsvorsitzender der landesholding bestätigen ließ, anstatt über eine ab Jänner mögliche verordnete räumliche Nachbarschaft mit Uwe Scheuch nachdenken zu müssen, lässt die Vermutung aufkommen, dass Birnbachers monu-mentale Chuzpe ansteckend ist. ein weiteres Indiz dafür lieferte der vorletzte Sonntags-Kurier, für den ausgerech-net jener Gutachter, der gegen fürstliche Bezahlung die strafrechtliche Unbedenklichkeit der Birnbacher-Gage behauptet hatte, einen Gastkommentar verfasste, in dem er »die Käuflichkeit der medien« und deren »Korrum-pierbarkeit« geißelt. »Birni« selbst meint übrigens auf die Frage, ob er auch mit einem niedrigeren »honorar« zufrieden gewesen wäre: »Ja, aber mich hat niemand gefragt.« Dass sich der Villacher Steuerberater da nicht selbst zu Wort gemel-det hat, ist offensichtlich dem über seinem Schreibtisch hängenden Wahlspruch geschuldet: »Dem Anständigen das Anständige raten.« Als sich haider und martinz mit ihm über seine Bezahlung berieten, war die Vorausset-zung für die Anwendbarkeit dieses Spruchs leider nicht gegeben.
Birnbachers Pech war es, dass er auf einen Richter gestoßen ist, der nicht glauben wollte, dass eine Wurstsemmel 60 Euro kostet. Das wiederum hat Birnis Einstellung zu der ganzen Geschichte geändert. Und so ist es dann weitergegangen … the power of tacheles
ein mann tritt vor die Öffentlichkeit und erklärt: »Ich gestehe. Ich selbst und einige andere daran Interessierte haben die faulen eier im Garten versteckt. es war nicht, wie von uns immer behauptet, der Osterhase. Den Oster-hasen gibt es in Wirklichkeit nämlich gar nicht.« Die Öffentlichkeit reagiert schockiert: »Unfassbar!« »Sensation!« »ein politisches erdbeben!« Die Klagen-furter Staatsanwaltschaft räumt ein, dass man vier Jahre lang vielleicht doch zu sehr mit der Fahndung nach dem Osterhasen beschäftigt war und darüber andere ermitt-lungen ein wenig vernachlässigt hat. Von der Kärntner landesholding gekaufte Gutachter, die zuvor die unzwei-felhafte täterschaft des Osterhasen bestätigt hatten, beeilen sich nun, zu erklären, dass sie bloß die theore-tische möglichkeit des eier-Versteckens durch marodie-rende hasen-Banden nicht grundsätzlich ausgeschlossen hätten. Und landeshauptmann Dörfler weist Zweifel an der realen existenz des Osterhasen scharf zurück und warnt vor möglichen Folgen: »Was wird dann als Nächs-tes infrage gestellt? Das Christkind? Die Zahnfee? Der lindwurm?« Die Frage, warum unsere Justiz so lange gebraucht hat, um zu der in Birnbachers Osterhasen-Geständnis enthalte-nen erkenntnis zu kommen, blieb bislang unbeantwortet. Warum er es gerade jetzt abgeliefert hat, scheint hingegen leicht zu erklären zu sein. Der Dank dafür gebührt Rich-ter manfred herrnhofer, der dem Villacher Steuerberater gegenüber eine einfache, aber wirkungsvolle taktik ange-wandt haben dürfte: Klartext. Das könnte sich in einer Prozesspause ungefähr so »Angeklagter! Folgendes: 1.) Ich will weder in Kärntner Politik noch Justiz 2.) Ich besitze gesunden menschenverstand. 3.) Ich lasse mich nur ungern verarschen. 4.) eine mehrjährige haftstrafe ist nicht das pure Ver- gnügen, schon gar nicht in Ihrem Alter. 5.) Dass haider und martinz Ihnen die millionen nicht aus Jux und tollerei geschenkt haben, weiß ohnehin jeder. Aus all dem folgt: 6.) Vielleicht fällt Ihnen ja was ein, was Sie uns noch Der Drang zur Wahrheit ist ein menschliches Begehren, das rasch erlahmen kann. Der Birnbacher-Prozess lässt nun darauf schließen, dass tacheles diesbezüglich gera-dezu Viagra-hafte Wirkung entfalten kann. eine thera-peutische maßnahme also, deren heilkraft sich auch in anderen Fällen erweisen könnte. Zum Beispiel so: »Sehr geehrter herr Plech! Sie sind gerade einmal drei Jahre jünger als der Birnbacher. Der meischi ist jung und naiv, der glaubt noch an eine sorgen-freie, vom dankbaren Karl-heinz finanzierte Zukunft für die Zeit danach. Aber wie soll die bei Ihnen ausschauen? ein goldener Rollator mit Swarovski-Steinderln?« Oder so: »lieber herr Rumpold! Nicht bös sein, aber im Vergleich zu Ihren telekom-Gutachten wirkt das vom Birnbacher wie die Encyclopedia Britannica. Klar, der FPÖ-Permanentwahlkampf kostet Geld, und um das einzutrei-ben, braucht es einen ›mann fürs Grobe‹, aber dieser titel gefällt Ihnen doch nicht mehr. Wenn Sie ein bisserl mitarbeiten, hätten wir vielleicht sogar einen neuen für Sie. Wie wär’s mit ›eurofighter-Kronzeuge‹?« Also, nur mut, bei echten Wundermitteln gibt es auch Offensichtlich ist Gernot Rumpold noch am Überlegen, wie er sich zu diesem Thema in Zukunft verhalten wird. Aber viel-leicht sollte er sich endlich einmal mit seinem ehemaligen Firmenpartner darüber unterhalten … sie lachen, wir zahlen
Die allgemeine enttäuschung über die Nicht-Detonation der durch Stefan Petzners Aussage im Birnbacher-Prozess erwarteten »Polit-Bombe« wäre vermeidbar gewesen. Spätestens am tag davor war klar, dass es dazu gar nicht kommen kann, denn da erklärte Petzner in einem Krone-Interview: »Wenn ich sage, es kommt was, das die Polit-welt erschüttert, dann kommt auch was – ich bin ja kein Idiot.« Abgesehen von dieser alle hoffnungen auf Relevanz zerstörenden Ankündigung: Sich ausgerechnet von Petz-ner enthüllungen über die Ära haider zu erwarten, wäre ähnlich realistisch wie die hoffnung auf eine schonungs-lose Abrechnung mit der politischen Führung der DDR durch margot honecker.
Die Aufgabe, diesbezüglich Klartext zu sprechen, bleibt somit bei leuten wie Armin Wolf hängen, der es im ORF-Sommergespräch mit Josef Bucher auf den Punkt brachte: »Jörg haider würde, wenn er noch leben würde, aller Vor-aussicht nach demnächst für ein paar Jahre im Gefängnis

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