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Tabelle 2: antiretrovirale stoffklassen, substanzen und dosierung

Antiretrovirale Medikamente
Stand September 2012

Was ist neu?


Stribild, die QUAD-Pille: Die amerikanische Zulassungsbehörde hat am 27. August 2012 Stribild™ zugelassen. Stribild™ besteht aus 3 Wirkstoffen ge-
gen HIV und einem Wirkverstärker (Booster). Neben den „alten“ antiretroviralen Substanzen Tenofovir und Emtricitabin enhält Stribild™ auch den neuen Integraseinhibitor Elvitegravir und den neuen Wirkverstärker (Booster) Cobicistat. Stribild™ enthält also die gesamte Wirkstoffkombination in einer Pille, die einmal täglich eingenommen wird. Als die Pille –vor der Zulassung- noch keinen Markennamen hatte, wurde von der QUAD-Pille gesprochen – weil sie vier Substanzen erhält. Eigentlich ist dieser Begriff jedoch irreführend, da es sich nur um drei gegen HIV gerichtete Wirkstoffe handelt. Die Pille ent-spricht also –wie auch Atripla® oder Eviplera® einer kompletten 3-fach-Kombinationstherapie. Die Zulassung in Europa erfolgte noch nicht, normalerwei-se werden Medikamente hier ca. ein halbes bis Dreivierteljahr später als in den USA und ggf. unter einem anderen Namen zugelassen.
Truvada: Die feste Kombinationtablette aus Tenofovir und Emtricitabin, die in der Therapie bereits seit 2005 im Einsatz ist, wird im Juli 2012 in den USA
auch zur Prävention der HIV-Infektion zugelassen (sog. PREP=Prä-Expositions-Prophylaxe). Bislang erfolgte keine Zulassung in Europa.
Rilpivirin (Edurant®): ein neuer NNRTI, und Eviplera® ein neues Kombinationsmedikament, bestehend aus Rilpivirin (s.o.), Tenofovir und Emtriva, wur-
den Ende November 2011 in Europa zugelassen. Beide Medikamente wurden für antiretroviral nicht vorbehandelte Patienten mit einer Viruslas <100.000 Kopien/ml zugelassen. Beide werden allerdings in den Europäischen Therapieleitlinien (noch) nicht für den Therapiestart empfohlen. Handelsname
Wirkstoff
Abk Nebenwirkungen1
Besonderheiten
Therapie-
nahme/ beginn
Nahrung? Tag
Nukleosidanaloge/ Nukleotidanaloge Reverse-Transkriptase-Inhibitoren NRTI
Emtriva® Emtricitabin
Wird in Studien in Kombination mit Tenofovir auch als Saft Prä-Expositions-Prophylaxe (PREP) bei HIV-Negativen erprobt Lipoatrophie , Blutarmut, Schwindel,
In Industrieländern zurückhaltend eingesetzt (ungüns- tiges Nebenwirkungsprofil). Als Infusionslösung ggf. Handelsname
Wirkstoff
Abk Nebenwirkungen1
Besonderheiten
Therapie-
nahme/ beginn
Nahrung? Tag
Polyneuropathie (Nervenschäden),
In Industrieländern nur noch selten eingesetzt (un- Fettleber und Leberfibrose (bindegewebiger erhöhtes Herz-Kreislauf-Erkrankungs-Risiko, Leberschaden (portaler Hochdruck) TDF Verminderter Knochenaufbau, Nierenschädi- Nierenfunktion vor Beginn und während der Therapie kontrollieren. Wirkt auch gegen chronische Hepatitis B Wird in Studien auch als Prä-Expositions-Prophylaxe (PREP) bei HIV-Negativen erprobt d4T Fettleber, Polyneuropathie
In Industrieländern aufgrund schwerer Nebenwirkun- (Nervenschäden), Lipoatrophie ,
gen (Häufigkeit der Laktatazidose bis zu 1% in Kohor- Fettstoffwechselstörung, Pankreatitis ,
tenstudien, Sterblichkeit bei Laktatazidose bis 30- Laktatazidose
50%) nur noch eingesetzt, wenn keine andere Thera- ABC Hypersensitivitätsreaktion (HSR) mit Fieber Vor Einsatz des Medikaments wird mit einem Test und Hautausschlag und Atembeschwerden; geprüft, ob eine genetische Veranlagung (HLA-B*5701 Saft erhöhtes Herz-Kreislauf-Erkrankungs-Risiko positiv) für eine Hypersensitivitätsreaktion (HSR) be- steht - dann wird Ziagen nicht verordnet. Aufklärung über HSR ist aber in jedem Fall erforderlich. Vorsicht bei hohem Herz-Kreislauf-Risiko und/oder hoher Viruslast (>100.000/ml) Nicht-Nukleosidale Reverse-Transkriptase-Inhibitoren NNRTI

Edurant®
RPV Fettstoffwechselstörung, Kopfschmerzen, Zugelassen für antiretroviral nicht vorbehandelte Pati- enten mit HIV-1 Viruslast von ≤100.000 Kopien/ml. Wird in lang wirkender Formulierung als intramuskulä-re Injektion ("Monatsspritze“) in Studien auch zur Prävention der HIV-Infektion erforscht (PREP) ETV Hautausschlag (bei Frauen häufiger als bei Nur bei vorbehandelten Patienten und nur in Kombina- Tablette mit Männern), z.T. mit schweren Überempfind- tion mit geboostetem (s.u. bei „Norvir“) Proteaseinhi- Nicht zusammen mit TPV, IDV, NFV oder einem ande- ren NNRTI einsetzen. Wirkt nicht gegen HIV-2. EFV Schwindel, Schlafstörungen (lebhafte
Kann falsch-positive Ergebnisse bei Cannabinoid- Träume), Fettstoffwechselstörung, De-
Suchtests (Drogenscreening z.B. im Straßenverkehr) pression, erhöhte Suizidneigung, Hautaus- schlag, Leberschädigung (Hepatitis), Gynä- Nicht einsetzen bei Frauen mit Kinderwunsch, bei komastie, Teratogenese (Fehlbildung beim Schwangeren bzw. bei Frauen mit nicht sicherer Kont- Wirkt nicht bei HIV-2 und HIV-1 Gruppe 0 Antiretrovirale Medikamente auf einen Blick
Handelsname
Wirkstoff
Abk Nebenwirkungen1
Besonderheiten
Therapie-
nahme/ beginn
Nahrung? Tag
NVP Hautausschlag, Leberschädigung (Hepatitis) Zur Reduktion des Risikos von Hautausschlägen in den ersten 14 Tagen der Therapie Einleitungsphase Bei Männern mit > 400 Helferzellen/μl und Frauen mit >250 Helferzellen/μl bei Therapiebeginn erhöhte Ge- fahr von Leberschädigungen, wenn Viruslast >50 Kopien/ml. Wirkt nicht gegen HIV-2 u. HIV-1 Gruppe 0 Protease-Inhibitoren PI

Aptivus® Tipranavir
Fettstoffwechselstörungen, Durchfall,
Nur in Kombination mit Ritonavir als Booster Übelkeit, Leberschädigung (Hepatitis), Ge- Fettstoffwechselstörungen, Durchfall, Übel- Nur in Kombination mit Ritonavir. Nur mit zweimal tägl. Kapsel keit, Verlängerung der elektrischen Reizlei- Einnahme zur Ersttherapie empfohlen, sonst nur als tung im Herzen (EKG-Veränderung: Verlän- gerung des PR- und QT-Intervalls) LPV Fettstoffwechselstörungen, Durchfall,
Übelkeit, erhöhtes Herz-Kreislauf- Fettstoffwechselstörungen, Durchfall, Übel- Nur in Kombination mit Ritonavir als Booster keit. Neu auf dem Markt, daher bisher nur ATV Fettstoffwechselstörungen, Durchfall, Übel- In Europa – anders als in den USA – nur in Kombina- keit, Erhöhung des Gallenfarbstoffs (Bilirubin) tion mit Ritonavir als Booster zugelassen im Blut mit Gelbfärbung der weißen Augen- Fosamprena- FPV Fettstoffwechselstörungen, Durchfall,
Nur in Kombination mit Ritonavir als Booster zugelas- Übelkeit, Hautausschlag, erhöhtes Herz- sen. Einnahme der Tablette unabhängig von Mahlzei- ten; Einnahme des Safts auf nüchternen Magen NFV Fettstoffwechselstörungen, Durchfall, Übel- In Europa einziger Proteaseinhibitor, der ohne Booste- Tablette mit rung durch Norvir® (Ritonavir) eingesetzt werden Entry-Inhibitoren

Fuzeon®
ENF Verhärtungen an der Einstichstelle mit erhöh- Fusionsinhibitor. Bekannt auch als T20. ter Empfindlichkeit (Hypersensitivität), erhöh- Medikament wird unter die Haut (subcutan) gespritzt MVC Hepatitis mit Erhöhung der Leberwerte, er- Blockt den CCR5-Korezeptor. Einsatz nur beim höhtes Risiko für Infektionen, erhöhtes Herz- Nachweis von Viren, die über den CCR5- und nicht über den CXCR4-Rezeptor in die Zelle eintreten; vor Einsatz ist ein sog. Tropismus-Test (Blutabnahme) erforderlich. Antiretrovirale Medikamente auf einen Blick
Handelsname
Wirkstoff
Abk Nebenwirkungen1
Besonderheiten
Therapie-
nahme/ beginn
Nahrung? Tag
Integrase-Inhibitoren

Isentress®
Wenig Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten Tablette - Steven-Johnson-Syndrom6, Hypersensitivi- tätsreaktion (schwere Überempfindlichkeits-reaktion) Kombinationspräparate

Atripla®
Antiretrovirale Therapie mit einmal täglich einer Tablette möglich. In Europa zugelassen, wenn Viruslast bereits durch andere Kombination (bzw. Einzelsubstanzen) gesenkt wurde. Zugelassen für antiretroviral nicht vorbehandelte Patienten mit HIV-1 Viruslast von ≤100.000 Kopien/ml. Antiretrovirale Therapie mit einmal täglich einer Antiretrovirale Therapie mit einmal täglich einer FTC Für die Kombinationstablette: Durchfall und ELV Übelkeit, Kopfschmerzen, Müdigkeit In den USA im August 2012 zur Erstbehandlung (von sog. Therapienaiven) zugelassen, bislang noch nicht in Europa. Elvitegravir (Integraseinhibitor) und Cobicistat (Booster=Wirkverstärker für Elvitegravir) sind nur in der Kombinationstablette, nicht als Einzelsubstanz, erhältlich. TDF und FTC wirken auch gegen Hepatitis B In den USA seit Juli 2012 auch als Prä-Expositions- Prophylaxe (PREP) bei HIV-Negativen zugelassen. Booster (Wirkverstärker für antiretrovirale Medikamente)
Norvir®
RTV Übelkeit, Erbrechen, Durchfall. In niedriger Proteaseinhibitor. Blockt ein Leberenzym, das Medi- kamente abbaut (CYP 3A4). Wird nur noch in niedri- wirkungen. Allerdings durch Blockierung des ger Dosierung (100 oder 200mg) zur Verstärkung (boosting) anderer Proteaseinhibitoren eingesetzt. Zählt in der ART nicht als eigenes Medikament. Antiretrovirale Medikamente auf einen Blick
Antiretrovirale Medikamente, die nicht auf der Liste sind:
Hivid®
(Zalcitabin)
ein NRTI, wurde aufgrund des Nebenwirkungsspektrums (Nervenschäden) nicht mehr eingesetzt und 2006 vom Markt genommen. Fortovase® (Saquinavir)
ein Proteaseinhibitor, wurde als ungeboostete Formulierung von Saquinavir seit 2006 nicht mehr verwendet und durch Invirase® ersetzt. Rescriptor® (Delavirdin)
ein NNRTI, ist nur in den USA zugelassen und wird in Deutschland extrem selten eingesetzt (muss dann importiert werden). Agenerase® (Amprenavir)
ein Proteaseinhibitor, wurde durch die Nachfolgersubstanz Telzir® (Fosamprenavir) abgelöst. Crixivan® (Indinavir)
erster Proteaseinhibitor auf dem Markt, heute aufgrund des Nebenwirkungsspektrums (Nierensteine, Lipodystrophie) kaum mehr eingesetzt.
Fußnoten
1 Nebenwirkungen:
Die Liste folgt den in den Europäischen Leitlinien (EACS) bzw. der Deutsch-Östereichischen Leitlinie benannten relevanten Nebenwirkungen.
Enthält keine vollständige Auflistung und verzichtet auf nur kurzfristig nach Therapiestart auftretende Nebenwirkungen (wie z.B. Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit). Häufige Nebenwirkungen sind fett, seltene aber schwerwiegende Nebenwirkungen kursiv dargestellt. Die Europäischen Therapieleitlinien werden von der
Therapiebeginn: In der Deutsch-Östereichischen Leitlinie (w. der Europäischen Therapieleitlinie als 1. Wahl oder 2. Wahl zum Therapiestart empfohlene
Medikamente. Atripla® ist –obwohl die Einzelsubstanzen als 1. Wahl empfohlen werden- nicht für die ersten Monate nach Therapiestart zugelassen, sondern erst, wenn die
Viruslast für 3 Monate unter der Nachweisgrenze liegt.
3 Lipoathrophie:
Schwund des Unterhaut-Fettgewebes, v.a. im Gesicht, den Armen und den Beinen 4 Laktatazidose: Übersäuerung des Blutes mit Milchsäure, ggf. mit Organversagen.
5
Pankreatitis: Bauchspeicheldrüsenentzündung
6 Steven-Johnson-Syndrom: seltene lebensgefährliche Arzneimittelreaktion mit Hautausschlag ggf. mit Blasenbildung, begleitet von schwerem Krankheitsgefühl, Fieber,
Müdigkeit, Muskel- und Gelenkschmerzen, Schwellung von Augen Lippen und Gesicht, dunklem Urin und hellem Stuhl, Atembeschwerden, Schwindel und Übelkeit (nicht alle Haftungsausschluss
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Antiretrovirale Medikamente auf einen Blick
Antiretrovirale Medikamente auf einen Blick

Source: http://www.csg-rostock.de/PDFs/Aktuelle%20Liste%20der%20antiretroviralen%20Medikamente%20%202012%2009.pdf

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